Umgangsregelung für 0 bis 3-Jährige

Umgangsregelung für 0 bis 3-Jährige

Skandinavische Forschung zu geteilten Umgangsordnungen

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit verschiedenen schwedischen Studien zum Thema geteilten Umgangsordnungen. Es wird hier Stellung genommen zu der allgegenwärtigen Auffassung, die davon ausgeht, dass es schädlich für Kleinkinder ist, von der primären Bezugsperson getrennt zu werden. Gerade in skandinavischen Ländern ist diese Debatte hoch im Kurs, da eben diese als Vorreiter angesehen werden, was die Gleichberechtigung zwischen Mutter- und Vaterrolle anbelangt. In Dänemark beispielsweise ist es weit verbreitet, dass Scheidungskinder nach der Scheidung gleich viel Zeit mit und bei beiden Eltern verbringen.

 

Umgangsordnung für die 0-3-jährigen

Für die kleinsten Kinder geschiedener Eltern ist die Bindung zu den Eltern ein wichtiger Fokuspunkt im Hinblick auf die Umgangsordnung. Bindung ist der ausschlaggebende Punkt, wenn man heutzutage über Studien spricht, die sich mit den 0-3-jährigen und den verschiedenen Umgangsordnungen beschäftigt. Die wichtige Bindung, die sich i ersten Lebensjahr etabliert, ist das Grundfundament in der Entwicklung des Kindes und ein entscheidender Faktor für eine weiterhin gesunde Entwicklung.

 

Es liegen keine eindeutigen Resultate in der Forschung vor, was die Bindung der 0-3-jährigen angeht und welche Konsequenzen es für sie hat, 2 Zuhause zu haben. Hierzu fehlt es an ausreichend empirischen Grundlagen und Forschung.

Beratung und Gesetzgebung auf diesem Gebiet wird oft aus dem Wissen heraus beurteilt, das über die Bindungstheorie existiert, ohne es notwendigerweise in Verbindung zu genauem Wissen über aufgeteilte Umgangsordnungen und deren Bedeutung hierfür zu setzen.

 

Vergleicht man jedoch die verschiedenen Resultate der Studien, deuten diese einstimmig darauf hin, dass die Zusammenarbeit der Eltern und die Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse des Kindes eine größere Rolle spielt als die Einteilung der Umgangsordnung selbst.

 

Die 0-3-jährigen in Umgangsordnungen

Kinder im Alter von 0-3 Jahren in Umgangsordnungen mit mehr als einem Zuhause, sind heutzutage die kontroverseste Altersgruppe. Die ganz kleinen Kinder sind besonders verwundbar, was die Umgebung angeht, da sie ganz und gar auf Erwachsende angewiesen sind, die sich um sie kümmern und versorgen. Den kleinen Kindern kann es auch schwerer fallen, ihre Bedürfnisse auszudrücken oder zu sagen, was ihnen nicht gut tut, obwohl Kinder oft indirekt Zeichen von Unwohlsein und Missbehagen ausdrücken.

 

Die Gehirne kleiner Kinder befinden sich im Entwicklungsstadium und ihre begrenzten kognitiven Fähigkeiten, ihr Zeitempfinden und ihr Gedächtnis machen sie besonders abhängig und unberechenbar im Alltag.

Berechenbarkeit und Kontinuität sind auch wichtig für die Entwicklung von engen Relationen zu der primären Bezugsperson (oftmals die Mutter).

 

Die Bindung in den ersten Jahren

Sich an seine primäre Bezugsperson zu binden, ist biologisch eingetrichtert bei allen Säuglingen, da dies das Überleben sichert. Wenn das Kind seine Eltern vermisst oder sich bedroht fühlt, dann wird es versuchen, Nähe bei anderen zu suchen. Wenn das Kind sich jedoch sicher und geborgen darin fühlt, dass die Eltern da sind, dann kann es erforschen und sich entwickeln.

 

Darüber hinaus, dass das Kind sich sicher und beschützt fühlt, spielt die Bindung auch eine Rolle für die Fähigkeit des Kindes, sich auszudrücken und Gefühle zu kontrollieren. Die Bindung wird in den ersten Lebensmonaten des Kindes etabliert, die Fähigkeit jedoch, enge Relationen einzugehen, wird das ganze Leben lang beeinflusst.

 

Die Aufmerksamkeit der Eltern und deren emotionale Zugänglichkeit beeinflusst die Qualität der Bindung des Kindes. Die meisten Kinder, knapp 70 %, haben eine vertrauensvolle Bindung zu mindestens einem Elternteil. Ca. 20 % aller Kinder entwickeln eine unsichere Bindung zu einem der Elternteile.

 

Das Merkmal für eine ambivalente und unsichere Bindung ist, dass das Kind Unterstützung durch Weinen und „klebende“ Anhänglichkeit sucht, jedoch Schwierigkeiten hat, sich beruhigen zu lassen. Kinder, die damit reagieren, indem sie abweisend unsicher sind, vermeiden Schutz zu suchen und entwickeln andere Strategien, um Geborgenheit zu finden.

 

Falls auf das Kind konstant verschiedene Personen aufpassen, entwickelt es mehrere parallele Relationen schon unter dem ersten Lebensjahr. Oft wird hier eine Hierarchie zwischen den Eltern geschaffen und das Kind wird entweder ein richtiges Mama- oder Papakind (im negativen Sinne) für eine gewisse Zeit.

Wenn die Eltern die Beziehung des Kindes zu ihnen ermuntern und stützen, nimmt die Voraussetzung zu, dass sich die Bindung sicher und flexibel entwickelt. Diese Gegenseitigkeit hat sich auch als bedeutungsvoll herausgestellt in Bezug auf die emotionale und soziale Entwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg.

 

Umgangsordnungen für die ganz Kleinen – in welche Richtung weist der Pfeil?

Dass das ganz kleine Kind ein großes Bedürfnis an Vorausschaubarkeit und Kontinuität hat, führt mit sich, dass Umgangsordnungen mit Übernachtungen bei beiden Elternteilen mit Skepsis betrachtet wurde.

 

In der Regel ist die Bedeutung der Mutter für das Kind betont worden und die Stabilität in einem Zuhause mit einer festen umsorgenden Bezugsperson, wurde als die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung des Kindes betrachtet. Das Kind vor längeren Separationsperioden von der primären Bezugsperson, oftmals der Mutter, zu schützen, ist als wichtiger betrachtet worden, als eine Bindung zu dem anderen Elternteil, oftmals den Vater, nach einer frühen Scheidung zu etablieren. Man war der Auffassung, dass frühe Separationen von der Mutter, in Kraft ihrer Rolle als primäre, umsorgende Bezugsperson, eine gebrechliche Bindung zu beiden Eltern mit sich führen könnte, anstatt 2 qualitative Elternrelationen zu schaffen.

Andere Theoretiker weisen jedoch darauf hin, dass Kinder von Natur aus mehrere Bezugspersonen haben und dies nur natürlich ist. Die wenigsten Kinder haben bloß eine primäre Bezugsperson, die auf sie aufpasst, da die meisten Eltern die elterlichen Aufgaben zwischen sich aufteilen. Darüber hinaus ist es in vielen Ländern ganz normal, dass die Kinder in Institutionen wie Kindertagesstätten o.Ä. gebracht werden oder Kindermädchen haben, die auf sie aufpassen. Einige Studien zeigen sogar, das dies von Vorteil für die soziale Entwicklung sein kann.

 

Es ist jedoch oftmals als potenziell schädlich für die ganz kleinen Kinder angesehen worden, in beiden Elternhausen zu schlafen, da das Bedürfnis nach einer sicheren und geborgenen Basis als das relevanteste angesehen wurde, wenn das Kind verletzlich und müde ist. Hat das Kind keinen Zugang zur primären Bezugsperson, kann dies negative Konsequenzen haben. Hat das Kind jedoch eine Verbindung zu beiden Eltern aufgebaut, ist die Übernachtung eine Voraussetzung dafür, die Bindung zu beiden zu stärken. Die Bedeutung des Engagements des Vaters im Verhältnis zum Wohlergehen des Kindes ist ausreichend dokumentiert, sowohl für zusammenlebende Eltern als auch getrenntlebende Eltern.

 

Studien über die Konsequenzen von Übernachtungen außerhalb für die 0-3-jährigen

Die schwedische Studie ‘Børn i deleordninger – en forskningsoversigt‘ (Kinder in aufgeteilten Umgangsordnungen – eine Forschungsübersicht) legt in erster Linie Wert darauf, dass es an empirischem Wissen und konkreten Resultaten, was die geteilten Umgangsformen für die Kleinsten anbelangt, mangelt. Eine kurze Auflese der Untersuchungen zeigt jedoch, dass alle Studien darauf hinweisen, dass die Zusammenarbeit der Eltern und deren Aufmerksamkeit des Kindes gegenüber am meisten bedeutet.

 

Fünf Studien, die die Qualität der Bindung des Kindes zur Mutter untersuchen, diskutieren aus den Resultaten heraus, einen möglichen Zusammenfall zwischen unsicherer oder desorientierter Bindung zum Vater und Übernachtungen beim Vater innerhalb der ersten 2 Lebensjahre des Kindes.

Das Gesamtbild der Studie sieht so aus, dass es weder Beweise für positive noch negative Konsequenzen gibt, wenn das Kind innerhalb der ersten 3 Lebensjahre bei dem anderen Elternteil übernachtet.

Anstatt dessen weisen die Studien auf, dass Faktoren wie Zusammenarbeit, Aufmerksamkeit und das Konfliktniveau eine Rolle für das psychische Wohl des Kindes spielen.

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